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27. April 1945, Proklamation der Unabhängigkeit

Straßengespräche zum Tag der Unabhängigkeitserklärung und Gründung der zweiten Republik am 27. April

Am 27. April 1945 – noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs – erklärte die provisorische österreichische Regierung die Wiederherstellung Österreichs als unabhängige demokratische Republik. Dieser historisch bedeutsame Tag war für JaDemokratie ein schöner Anlass, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam über Demokratie, Zusammenleben und Verantwortung nachzudenken.

JaDemokratie-Aktivistinnen wählten den Kongresspark in Wien-Ottakring und den Willi-Resetarits-Hof, einem neu errichteter Gemeindebau in Wien Favoriten, als Orte des Aufeinander-Treffens. Schon der Hinweis auf die historische Bedeutung des Tages hat bei vielen Passant:innen Interesse geweckt. Auch wenn nur wenige den Anlass kannten, öffnete er oft die Tür zu einem offenen, neugierigen Gespräch.

Begegnungen und Stimmen

Die Menschen, denen wir begegneten, waren so vielfältig wie die Stadt selbst: Jugendliche und ältere Menschen, Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte, mit und ohne Staatsbürgerschaft oder Wahlrecht. Überzeugte Demokrat:innen ebenso wie Skeptische oder Autoritäre. Gerade diese Mischung macht die Gespräche lebendig und wertvoll.

An solchen Orten treffen wir viele Menschen mit Migrationshintergrund. „Österreich macht in der Integration vieles falsch, da läuft Demokratie in eine falsche Richtung; als Sohn von bosnischen Gastarbeitern, habe ich mich vollständig integriert, spreche sehr gutes Deutsch, habe mich hinaufgearbeitet; meine Eltern konnten kein Deutsch, haben mich aber immer motiviert Deutsch zu lernen. Die heutigen Zuwanderer und ihre Kinder können kein Deutsch, auch in der Schule lernen sie kein g’scheites Deutsch. Migrant:innen strengen sich zu wenig an.“ erzählt uns der Obmann eines Elternvereins.

Ein anderer Gesprächspartner formulierte seine Sicht mit einem Bild: „Wenn der Fisch im Wasser schwimmt, ist alles gut.“ Gemeint waren damit die Österreicher:innen, denen es gut geht. Österreich sei ein guter Platz zum Leben, sagte er, doch mache er sich große Sorgen um die Welt. Die Schere zwischen Arm und Reich sei viel zu groß.

Sehr berührend war auch das Gespräch mit drei 13- bis 14-jährigen Burschen, in Österreich geboren und voller höflicher Neugier. Wir sprachen mit ihnen über Wahlen, über ihre zukünftige Wahlbeteiligung und darüber, wie wichtig es ist, sich vor einer Wahl gut über die Parteien zu informieren. Als wahlkabine.at zur Sprache kam, erinnerten sie sich, das in der Schule angesehen zu haben. Wir gaben ihnen ein Lesezeichen – Bücher lesen sie nicht, meinten sie lachend, aber der QR-Code könnte sie interessieren – und Infoblätter, mit dem Hinweis, auch in ihrer Familie darüber zu reden. Als wir das „Fest der Freude“ am Abend erwähnten, waren sie nicht abgeneigt, hinzugehen.

Dies ist ein kleiner Ausschnitt der Erfahrungen, die Aktivist:innen von JaDemokratie bei ihren Straßengesprächen machen. Wir tauschen uns darüber aus – im Plenum und im internen Wiki. Die Termine für kommende Treffen finden sich auf https://www.ja-demokratie.at/#termine.