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„Ich bin stolz auf meine Studenten“

Es ist Anfang September in Novi Sad. Im Zentrum der Stadt liegt Riblja pijaca, ein traditioneller Markt mit Geschäften, Ständen und Lokalen für die Nahversorgung. In der Warteschlange beim Metzger stehend unterhalten wir uns mit einer etwa fünfzigjährigen Frau. Sie klagt über die schlechte wirtschaftliche Situation, die hohen Preise und dass es keine Jobs in Serbien gäbe. Wir sprechen sie vorsichtig auf die politische Situation an und sie meint unverblümt „Ich bin stolz auf meine Studenten“. Auf die Frage, ob sie denn an der Universität arbeite, verneint sie dies, sie arbeite meist als Pflegerin in Deutschland.

Unmittelbar vor Festlegung der vorgezogenen Wahlen in Serbien waren wir in Novi Sad. „Die Studenten“ ist die Oppositionsbewegung, die bei weitem nicht nur aus Student:innen besteht. Ein paar Eindrücke im Stadtbild machen das zivilgesellschaftliche Engagement, den starken Willen zur Veränderung dieser Bewegung spürbar.

Am Rande des Marktplatzes haben „die Studenten“ einen Infotisch aufgebaut. Tatsächlich waren es Pensionist:innen und Student:innen, die Flyer verteilten, Passant:innen ansprachen und anregten, sich von den Enkelkindern eine Wahlempfehlung geben zu lassen.

Mit den freundlichen Worten „Ich möchte, dass Sie sich in meiner Stadt wohlfühlen“ und einer angebotenen Flasche Trinkwasser begann ein Mann (er war Uni-Professor für Mathematik) mit uns ein längeres Gespräch. Präsident Aleksandar Vučić und sein Apparat würden alle Poren der Gesellschaft durchdringen, Korruption sei allgegenwärtig, die Medien Teil des Systems, ebenso die Universitätsverwaltungen. Dem begegnet die Oppositionsbewegung „Student“, indem sie den direkten Kontakt und den Dialog mit der Bevölkerung sucht.

Nach eigenen Angaben hat „Student in jede Ortschaft“ (Студент у сваком селу) alleine im Laufe des letzten Jahres vor der Wahl über 400 Orte in ganz Serbien besucht, großteils mit Fahrrädern, mehr als 40.000 Haushalte aufgesucht und mit mehr als 20.000 Menschen gesprochen. „…. Der Dialog  vermittelt auch das Gefühl, dass niemand allein ist und dass es jemanden gibt, der zuhört und versteht. Genau darin liegt sein größter Wert: in der Schaffung von Vertrauen, der Wiederherstellung des Glaubens und der Überzeugung, dass wir gemeinsam mehr erreichen können.“ (https://studenti.org.rs/, Übersetzung aus dem Serbischen: Google).

Die Opposition erfuhr viel Zuspruch aus der Bevölkerung – aber auch Ablehnung. Die Kluft ginge quer durch die Gesellschaft, durch Familien, durch den Lehrkörper, schildert eine Chemieprofessorin am Campus der Universität Novi Sad. Sie sei nicht ganz zuversichtlich über die Erfolgschancen, sagt sie wenige Tage vor der Ausrufung der Neuwahl zum Parlament. Die „Studenten“ würden aber dranbleiben, sie hätten sich basisdemokratisch und strategisch gut vorbereitet auf die Wahlauseinandersetzung.

Unter dem mit Optimismus und einer Portion Selbstbewusstsein gewählten Namen Студентска листа – Студенти побеђују/„Studentenliste – die Studenten werden siegen“, trat die Bewegung zur Parlamentswahl am 26. Oktober 2026 an. Die Liste erhielt mehr als die Hälfte der Stimmen und erreichte die absolute Mandatsmehrheit.

Fazit: Dran bleiben auch bei starkem Gegenwind.

Text: Sieglinde Rosenberger, Gilg Seeber
Fotos: Gilg Seeber