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Straßengespräche – ist meine Stimme wirklich wichtig?

Österreich-Fahne-Menschenrechte-Tischtuch

Am 17. Juni führten Maria und Ingeborg von Ja Demokratie am Bildungscampus in der Landgutgasse im 10. Bezirk mehrere Gespräche: Ausgerüstet mit Kaffee, Tee, Kuchen und Keksen, trafen wir auf eine lebendige Mischung aus Schüler:innen, Eltern und Passant:innen, die sich auf den Bänken vor der Schule niederließen.

Zu Beginn nahmen zwei Väter an unserem schön gedeckten Tisch mit Demokratietischtuch Platz. Ein Vater berichtete zufrieden vom harmonischen Zusammenleben im Schulhof, wo sieben Nationen vertreten sind. Sein Sohn bestätigte, dass es in der Klasse keine Cliquenbildung gibt und dass es für die Kinder selbstverständlich ist, dass zuhause unterschiedliche Sprachen gesprochen werden, während Deutsch die gemeinsame Sprache ist.

Ein besonders eindrucksvolles Gespräch führten wir mit einer jungen tschetschenischen Mutter, die einen langen Weg der Integration hinter sich hat. Obwohl sie in Österreich wählen darf, war ihr nicht bewusst, wie wichtig ihre Stimme sein könnte. Ähnlich erging es einer jungen Frau aus Serbien mit österreichischer Staatsbürgerschaft, die ebenfalls noch nie gewählt hat. Ob unser Gespräch ihr Bewusstsein verändert hat, bleibt offen.

Eine Frau aus Ungarn, die schon länger in Österreich lebt, äußerte den Wunsch, wählen zu dürfen, ohne ihre ungarische Staatsbürgerschaft aufgeben zu müssen. Das Verbot von Doppelstaatsbürgerschaften empfindet sie als schmerzhaft. Über den Machtwechsel in Ungarn zeigte sie sich erfreut.

Ein weiteres Thema war das geplante Kopftuchverbot an Schulen. Eine Frau bezeichnete das Verbot als ungerecht gegenüber den betroffenen Mädchen und plädierte stattdessen für mehr Burschenarbeit. Die praktische Umsetzung des Gesetzes bleibt unklar und wird mit Spannung erwartet.

Drei junge Männer, über 15 Jahre alt, kamen ebenfalls ins Gespräch. Einer aus Usbekistan lebt seit drei Jahren in Österreich, ohne Deutschkurs und ohne Anschluss an das System. Ein anderer aus Afghanistan absolviert eine Lehre, der dritte ist beim AMS gemeldet. Für sie ist Demokratie ein schwieriges Thema, da sie wenig darüber wissen. Wahlberechtigt sind sie noch nicht, und ob sie zukünftig wählen gehen, wissen sie nicht.

Ein weiteres bewegendes Gespräch fand mit einer Frau aus Nigeria statt, die ursprünglich aus einer königlichen Familie stammt. Ihr Mann arbeitet hier als Reinigungskraft, obwohl er in seiner Heimat einen höheren sozialen Status hatte. Das Erlernen der deutschen Sprache ist für sie von großer Bedeutung, wie Maria im Gespräch betonte.

Nach zwei Stunden intensiver Gespräche packten wir die restlichen Getränke und Kuchen ein und gingen bereichert von den Offenheiten, Lebenswelten und Perspektiven der Menschen nach Hause.

Diese Begegnungen zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig und lebendig Demokratie im Alltag erlebt wird. Sie machen deutlich, wie wichtig es ist, Menschen dort abzuholen, wo sie stehen, und den Dialog über Integration, Teilhabe und politische Bildung zu fördern. Die Gespräche geben wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Hoffnungen verschiedener Menschen und stärken das demokratische Bewusstsein und den gesellschaftlichen Zusammenhalt.